Wiegenlied aus dem Dreißigjährigen Kriegby Ingmar Burghardt   5 years ago

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Text: Ricarda Huch (im Jahr 1917)

Horch Kind horch wie der Sturmwind weht
und rüttelt am Erker.
Wenn der Braunschweiger draußen steht, der faßt uns noch stärker.
Lerne beten Kind und falten fein die Händ´
damit Gott den tollen Christian von uns wend´.

Schlaf Kind schlaf, es ist Schlafenszeit,
ist Zeit auch zum Sterben,
bist du groß, wird dich weit und breit die Trommel anwerben.
Lauf ihr nach, mein Kind, hör deiner Mutter Rat,
fällst du in der Schlacht so würgt dich kein Soldat

"Herr Soldat, tu mir nichts zu leid
und laß mir mein Leben!" -
"Herzog Christian führt uns zum Streit kann kein Pardon geben.
Lassen muß der Bauer mir sein Gut und Hab
zahle nicht mit Geld, nur mit dem kühlen Grab!"

Schlaf, Kind, schlaf, werde stark und groß,
die Jahre, sie rollen.
Folgst bald selber auf stolzem Roß Herzog Christian dem Tollen.
Wie erschrickt der Pfaff und wirft sich auf die Knie -
"Für den Bauern nicht Pardon, dem Pfaffen aber nie!"

Still, Kind, still, wenn Herr Christian kommt,
der lehrt dich zu schweigen!
Sei fein still, bis dir selber frommt, ein Roß zu besteigen.
Sei fein still, dann bringt der Vater bald dir Brot,
wenn nach Rauch der Wind nicht schmeckt und nicht der Himmel rot.

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